Selle-Otto-Kontroverse

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Die Selle-Otto-Kontroverse war eine Auseinandersetzung zwischen den Kunstpädagogen Gunter Otto und Gert Selle.

Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre kam es zu einer grundsätzlichen in Fragestellung der Relevanz von Kunst im Unterricht. Daraus entstand die Kontroverse zwischen Otto und Selle in der Zeitschrift Kunst und Unterricht. [1]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Gunter Otto

Gunter Otto war einer der führenden Kunstdidaktiker der Nachkriegszeit und hatte prägenden Anteil an der modernen Didaktik des Kunstunterrichts.

(* 10.01.1927 in Berlin † 28.01.1999 in Bad Bevensen) [2]


[Bearbeiten] Biografie

Ottos Jugend fiel in die Zeit des Nationalsozialismus. Seine ersten Bilder signalisieren nicht unbedingt Begeisterung für den Krieg. 1944 wurde er zum Arbeitsdienst eingezogen.

Im Wintersemester 1945/1946 begann er sein Studium an der Hochschule für Kunsterziehung in Berlin.

1949 heiratete Otto das erste Mal. 1950 kam dann sein erstes Kind zur Welt. 1951 schloss er sein Studium mit der Zweiten Staatsprüfung ab. 1956 beendete Otto seinen Schuldienst, wurde dann an die Pädagogische Hochschule Berlin berufen und wurde dort Studienrat. 1956 entwickelte er in Zusammenarbeit mit Wolfgang Schulz das Berliner Modell der Didaktik. [3]

1964 veröffentlichte Otto seinen ersten eigenen Entwurf zur Kunstdidaktik unter dem Titel Kunst als Prozess im Unterrich. Ab 1968 gab er die Zeitschrift Kunst und Unterricht heraus. In den 1970er Jahren verlagerte sich Ottos Interesse hin zur Ästhetischen Bildung/Erziehung des Menschen. 1971 wechselte er an die Universität Hamburg und arbeitete dort als ordentlicher Professor für Erziehungswissenschaften. 1974 erschien sein Werk Didaktik der ästhetischen Erziehung. Otto veröffentlichte seit den 1970er Jahren mehrere fachdidaktische Schriften in Form von Büchern und Aufsätzen. 1987 entstand sein Werk Auslegen. Ästhetische Erziehung als Praxis des Auslegens in Bildern und des Auslegens von Bildern. [4]

1992 wurde er emeritiert und stand danach noch über fünf Jahre dem von ihm und Wolfgang Schulz initiierten Graduiertenkolleg "Ästhetische Bildung" als dessen Sprecher vor. Otto beeinflusste die westdeutsche Kunstpädagogik fast 40 Jahre.

Sein Publikationsverzeichnis umfasst mehr als 300 Titel. Weiterhin hat er mehr als 30 Dissertationen betreut, unter Anderem von Karl-Josef Pazzini, an dessen Habilitation er auch beteiligt war und der heute sein Nachfolger ist. [5]

[Bearbeiten] Werke (Auswahl)

Kunst als Prozeß im Unterricht. Braunschweig 1969, ISBN 3507363100

Didaktik der Ästhetischen Erziehung. Braunschweig 1974, ISBN 3886571386

Methoden und Medien der Erziehung des Unterrichts, 1985, ISBN 3-12-932240-X

Auslegen. Ästhetische Erziehung als Praxis des Auslegens in Bildern und des Auslegens von Bildern. 2 Bände, 1987, ISBN 3617322409

Lernen und Lehren zwischen Didaktik und Ästhetik, 3 Bände, 1998, ISBN 3-7800-4192-8

[Bearbeiten] Gert Selle

Gert Selle ist ein bedeutender Kunstpädagoge, der mit seinen Theorien und Ansätzen Einfluss auf die heutige Kunstpädagogik genommen hat.

[Bearbeiten] Biografie

Gert Selle studierte in Frankfurt am Main und in Kassel.

Anschließend war er Kunsterzieher in Frankfurt am Main und Fachhochschullehrer in Darmstadt.

Weiterhin hatte er den Lehrstuhl für das Fach Kunst an der PH Niedersachsen in der Abteilung Braunschweig. Er war Professor für Theorie, Didaktik und Praxis ästhetischer Erziehing an der Universität Oldenburg und wurde 1999 emeritiert. [6]

1992 enstand sein Werk Das ästhetische Projekt, welches zu einem der bedeutendsten Werke Selles zu zählen ist.

[Bearbeiten] Werke (Auswahl)

Das ästhetische Projekt: Plädoyer für eine kunstnahe Praxis in der Weiterbildung und Schule, 1992, ISBN 3-925426-41-8.

Experiment Ästhetische Bildung. Aktuelle Beispiele für Handeln und Verstehen (Hg.), Reinbek bei Hamburg , 1990, ISBN 3-499-55506-9.

Geschichte des Design in Deutschland, Frankfurt am Main / New York 1994 ISBN 3-593-38487-6.

Siebensachen. Ein Buch über die Dinge. Frankfurt am Main / New York 1997.

Kunstpädagogik und ihr Subjekt. Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-560-0.

Stückwerk. Neue Texte über Architektur, Design, Wohnen und Kunstpädagogik. Frankfurt am Main 2004.

Ästhetische Erziehung oder Bildung in der zweiten Moderne?: Über ein Kontinuitätsproblem didaktischen Denkens, 4. Auflage, Hamburg, ISBN 3-937816-04-6.

Über das gestörte Verhältnis der Kunstpädagogik zur aktuellen Kunst, 1990, ISBN 3-927268-07-0.

[Bearbeiten] Die Kontroverse in "Kunst und Unterricht"

Im Jahr 1994 rief die Hamburger Schulbehörde zu einer kunstdidaktischen Diskussion über die unterschiedlichen Positionen der zu dieser Zeit aktuellen Didaktikdiskussion im Kunstunterricht auf. Dazu bereit erklärten sich Prof. Gert Selle und Prof. Dr. Gunter Otto. Beide Professoren konnten sich in einem ersten Vortrag äußern, die im Anschluss in der Zeitschrift Kunst und Unterricht veröffentlicht wurden.

Ausgangspunkt der Diskussion war der Begriff der ästhetischen Rationalität, in welchem Zusammenhang Selle die Wiederentdeckung des ästhetischen Zustands als zentrale Aufgabe der Kunstpädagogik und eine Abkehr vom rationalen Kunstunterricht forderte. Dabei verwies er auf den ästhetischen Zustand in Schillers Verständnis, welcher diesen als einen Sonderstatus der wachen Bewusstheit von Wahrnehmung, Empfinden, Denken und Handeln verstehe. Da der Mensch in einem solchen Zustand allerdings (für die Pädagogik) unerreichbar sei, müsse dies dem ästhetischen Rationalitätsbegriff zuwiderlaufen. Aufgrund dieser Paradoxie brachte Selle den Begriff der ästhetischen Intelligenz ein, um der Begrenztheit des Begriffes entgegenzuwirken. Weiter hob Selle die Schwierigkeit hervor, Kunst und Pädagogik miteinander zu vereinen, es gleichzeitig allerdings einen Fortschritt darstelle, wenn [7]

„Kunstunterricht weniger als Unterricht und mehr als Laboratorium, als Experimentalstation für das Vordringen ins Ungewisse und Verlockende verstanden“ [8] würde.

Otto kritisierte daraufhin Selles Auslegung des Kunstunterrichts und der ästhetischen Rationalität und warf ihm vor, den Begriff nicht richtig verstanden zu haben. Vielmehr sei ästhtische Rationalität nur ein Typus von Rationalität und stehe auf gleicher Stufe wie theoretische und praktische Rationalität. Rationalität sei demnach nicht nur theoretisch, wie dies von Selle interpretiert worden se. Weiter erläuterte er, dass eine Theorien aus der Praxis folgen und somit eine Begründbarkeit voraussetzen. Otto argumentierte weiter, dass ein theoretischer Hintergrund für die Bildinterpretation unerlässlich sei, da die Geschichte Spuren hinterlasse und nur im Kontext der Zeit interpretiert werden könne. [9]

[Bearbeiten] Literatur

Georg Peez: Einführung in die Kunstpädagogik. 3., völlig überarb. und aktualis. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-17-020422-5.

Gert Selle: Das Ästhetische Projekt, Plädoyer für eine kunstnahe Praxis in Weiterbildung und Schule, 2. Auflage, Dezember 1992 ISBN 3-925426-41-8.

Gert Selle: Kunstpädagogik und ihr Subjekt: Entwurf einer Praxistheorie, Oldenburg: Isensee, 1998 ISBN 3-89598-560-0.

Gunter Otto: Lehren und Lernen zwischen Didaktik und Ästhetik, Band 1, Ästhetische Erfahrung und Lernen, 1998 ISBN 3-7800-4190-1.

Gunter Otto: Lehren und Lernen zwischen Didaktik und Ästhetik, Band 3, Didaktik und Ästhetik, 1998 ISBN 3-7800-4192-8.

Gunter und Maria Otto: Auslegen- Ästhetische Erziehung als Praxis des Auslegens in Bildern und des Auslegens von Bildern, 1987

ISBN 3-617-32239-5.

Hans-Günther Richter: Eine Geschichte der Ästhetischen Erziehung, 2003 ISBN 3-89906-478-X.

Manfred Blom: Berührungen & Verpflechtungen, Biografische Spuren in ästhetischen Prozessen, 2002 ISBN 3-89770-172-3.

[Bearbeiten] Weblinks

http://downloads.schattenschreiber.org/ha_gert_selle.pdf

http://home.arcor.de/nneuss/legler.pdf

http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=99280020x&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=99280020x.pdf

http://www.georgpeez.de/texte/jetzt.htm

http://www.georgpeez.de/texte/impulse.htm

http://www.georgpeez.de/texte/jetzt.htm

[Bearbeiten] Quellen

  1. [1]Georg Peez: Kunstpädagogik jetzt. Eine aktuelle Bestandsaufnahme: Bild - Kunst - Subjekt.
  2. [2] Wikipedia: Gunter Otto (Pädagoge), entnommen am 16.11.2011, um 22:18 Uhr.
  3. http://home.arcor.de/nneuss/legler.pdf Wolfgang Legler: Gunter Otto-Begründung und Ende einer Kunstdidaktik (PDF), S.2.
  4. http://home.arcor.de/nneuss/legler.pdf Wolfgang Legler: Gunter Otto-Begründung und Ende einer Kunstdidaktik (PDF), S.20.
  5. http://home.arcor.de/nneuss/legler.pdf Wolfgang Legler: Gunter Otto-Begründung und Ende einer Kunstdidaktik (PDF), S.8.
  6. [3] http://www.tu-cottbus.de/theoriederarchitektur/wolke/deu/namen/selle.htm 17.04.2011, 10:12 Uhr.
  7. Gert Selle: In: Kunst und Unterricht Nr. 192, Friedrich-Verlag, S. 16-21.
  8. Gert Selle: In: Kunst und Unterricht Nr. 192, Friedrich-Verlag, 1995, S. 20.
  9. Gunter Otto: In: Kunst und Unterricht Nr. 193, Friedrich-Verlag, 1995, S. 16- 19.
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