Kunsterziehung in der DDR
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Die Kunsterziehung in der DDR ist geprägt von Veränderungen, Neuerungen und dem politischen und ideologischen Einfluss der SED. Drei verschiedene Lehrpläne in kürzester Zeit zeugen von Unsicherheit und dem Wunsch nach einem sinnvollen künstlerischen Umgang in der Schule. Doch bis zum Ende der DDR blieb der Kunstunterricht ein Fach am Rande mit nur einer Stunde in der Woche.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Allgemeine schulpolitische Entwicklungen
[Bearbeiten] Das humanistische Bildungsziel nach 1945
Die Kommandanten der sowjetischen Besatzungsmächte leiteten nach Kriegsende alle Maßnahmen zur Normalisierung des Lebens der deutschen Bevölkerung ein. Die im Juni 1945 gegründete sowjetische Militäradministration für Deutschland (SMAD) gestattete die Bildung von antifaschistisch-demokratischen Parteien. Die daraufhin gebildeten Vereinigungen (KPD, SPD, CDU, LDPD) äußerten das gesellschaftliche Ziel, ein friedliebendes Deutschland aufzubauen in dem die Ursprünge des Faschismus und Nationalismus ausgerottet werden sollen. Das Anstreben eines demokratischen Neuaufbaus Deutschlands ging mit einer tiefgreifenden Umstrukturierung der gesellschaftlichen Ordnung einher, die sich auch auf die schulischen Institutionen auswirkte. [1]
Bereits im August 1945 wurde mit dem Verbot von Privatschulen und dem Religionsunterricht innerhalb der Schule, der erste Schritt hin zu einer neuen schulischen Richtlinie gesetzt. Mit dem Gesetz zur „Demokratisierung der deutschen Schulen“ vom Mai/Juni 1946 erhob die Politik der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) den Anspruch der Erziehung zu selbstständigen und verantwortungsbewussten Menschen. Nach dem Schrecken der NS-Herrschaft entsprach dies den Vorstellungen fast aller Deutschen des Nachkriegsdeutschlands. Diese Reform beanspruchte ein Schulsystem für alle Kinder und Jugendliche gleichermaßen, unabhängig ihrer Herkunft oder des elterlichen Einkommens. Das bedeutete die Abschaffung der Bildungsprivilegien und den Aufbau eines einheitlichen Schulsystems. So orientierte sich das Bildungsziel nach Ende des Krieges am Humanismus. Auf dem II. pädagogischen Kongress im September 1947 wurde der Begriff des Humanismus präzisiert. Es war die Rede von „guten Menschen, die anständig, hilfsbereit, edel und tolerant gegen die Bürger des eigenen Volkes und der anderer Nationen sind […]“ und weiter „wissende Menschen [sind], die Einblick haben in die Gesetzte der Natur und der menschlichen Gesellschaft […]“. [2]
Neu war die achtjährige Grundschule für alle Kinder gleichermaßen mit dem Pflichtangebot einer Fremdsprache ab der 5. Klasse. Ab der 7. Klasse konnten neben einer zweiten modernen Fremdsprache auch Mathe, Physik und andere naturwissenschaftliche Fächer gewählt werden. Nach der 8. Klasse konnten zwei verschiedene Bildungswege eingeschlagen werden. Zum einen gab es die Möglichkeit einer dreijährigen Berufsausbildung und zum anderen einer vierjährigen Oberschule mit abschließender Hochschulreife. Die primären Ziele dieser schulpolitischen Veränderungen waren die „Aufhebung des Bildungsmonopols der herrschenden Klasse“ sowie die „Abschaffung der Standes- und Klassenvorrechte“ innerhalb der Schule [3]. In der Praxis jedoch war ein eindeutiger Trend der Ideologisierung nach sowjetischem Vorbild zu erkennen. In Folge der neuen Gesetzgebung kam es zu Massenentlassungen von Anhängern oder Sympathisanten des NS-Regimes, die durch Neulehrer von teilweise minderer fachlicher Kompetenz und pädagogischen Wissen ersetzt wurden. In einer achtmonatigen Ausbildung wurden den fast 15000 (bis Ende 1945) Neulehrern pädagogisch-psychologische und methodische Grundkenntnisse vermittelt, die meist aus Lehrbüchern stammten, welche innerhalb kürzester Zeit aus dem Russischen übersetzt wurden. Zurück blieben erziehungswissenschaftliche Problemstellungen und Fragen, die von den Lehrbüchern nicht abgedeckt werden konnten. Viele Lehrende ergriffen aufgrund der verschärften stalinistischen Lehrinhalte die Flucht in den Westen. Mit der Gründung der DDR wurden die Ziele konkreter ideologisch propagandistisch formuliert.
[Bearbeiten] Veränderte Bildungspolitik in der DDR
Unter dem Einfluss der SMAD konnte die SED alle wichtigen Machtpositionen besetzten. Der Konflikt zwischen Ost und West fand seinen Höhepunkt und Ausdruck im ‚kalten Krieg’ und führte zur Gründung zweier deutscher Staaten, der BRD und der DDR (1961). Diese Entwicklung sollte tiefgreifende Folgen für alle gesellschaftlichen Bereiche haben und so auch für die Bildungspolitik. In dem 1950 festgelegten Gesetzt über die Schulpflicht legte die DDR-Regierung die allgemeine Schulpflicht für alle Kinder an einer ausschließlich staatlichen Schule fest.
Die Schule sollte nun, auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus in allen Fächern Ergebnisse der Wissenschaft und der Sowjetunion vermitteln. [4] Auf der II. Parteikonferenz im Juli 1952 kam es zum Beschluss des „Aufbau(s) der Grundlagen des Sozialismus“ und mit ihm beschloss das Politbüro der SED eine „Erhöhung des wissenschaftlichen Niveaus des Unterrichtes und zur Verbesserung der Parteiarbeit an den allgemeinbildenden Schulen“ [5]. Während es vorher noch um die Erziehung zu einem friedliebenden Demokraten im Sinne der humanistischen Leitidee ging, sollte das Bildungssystem nun den „jungen Erbauer des Sozialismus“ hervorbringen [6]. Die Schüler wurden zur Freundschaft mit der Sowjetunion und anderen Volksdemokratien angehalten, was letztlich unter Zunahme weiterer Ziele zu den offiziellen Ansprüchen der Erziehung in der DDR zählte. Dies hatte die Unterordnung der Bildungsinhalte unter politische Zielstellungen zur Folge. Junge Menschen im Geiste der führenden Arbeiterklasse zu erziehen und von frühster Kindheit an, an die neue Moral heranzuführen, wurde nun zum erklärten Bildungsziel.[7]
Mit dem planmäßigen Aufbau des Sozialismus rückten Ziele der Erziehung im Sinne der Partei und der Wissenschaftlichkeit in das Zentrum der Bildungspolitik. 1959 kam es zum Beschluss einer zehnklassigen allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule, die den wissenschaftlichen und technischen Anforderungen in nichts nachstehen sollte. Die Verschiebung der Bildungsschwerpunkte auf naturwissenschaftliche und technische Aufgabenstellungen erfolgte zu Lasten der kreativ emotionalen Bereiche der Schule.
[Bearbeiten] Kunst-und Kulturpolitik
Lenins Programm der sozialistischen Kulturrevolution sollte auch auf die sowjetische Besatzungszone übertragen werden. Ziel dieser Reform war die „[…] Befähigung der Werktätigen zu Gestaltern einer neuen, den gesellschaftlichen Veränderungen entsprechenden Kultur und Lebensweise […]“. [8] So wurde eine einheitliche sozialistische Nationalkultur angestrebt, die von der Arbeiterklasse geprägt und eine alternative Form zum Kapitalismus darstellen sollte. [9] Da das Gefälle zwischen der arbeitenden Bevölkerung und der avantgardistischen Kunst zu groß schien, sollte die Kunst des neuen Weltbildes entsprechend, eine Kunst sein, die „realistisch, konkret und humanistisch“ ist. Hingegen galt Abstraktion und Enthumanisierung als dekadent und unverständlich, so dass die Kunst den Anspruch erhob eine Einheit aus Volk und Kunst zu werden. Die ästhetische Erscheinung der Bilder sollte zudem durch belehrende Elemente ergänzt werden, welche mit ungegenständlichen Darstellungsweisen nicht zu funktionieren schien. [10]
Am 19. und 24. November des Jahres 1948 erschien in der SMAD Zeitung ein Artikel von Alexander Dymschitz. Unter dem Titel „Über die formalistische Richtung in der deutschen Malerei“ [11] kritisierte er Künstler wie Picasso und Chagall und bildete damit den Auftakt zur Formalismusdebatte. Ein öffentlicher Höhepunkt dieser Diskussionen war der mit N. Orlow unterschriebene Artikel „Wege und Irrwege der modernen Kunst“. [12] In diesem machte der Autor seine Abneigung gegen abstrakte Kunst deutlich, indem er diese als „pathologisch und antiästhetisch“ beschrieb. Einzig die Sowjetkunst könne die richtige Form zur geistigen Entwicklung der Menschheit sein. [13] In diesem Sinne trug der Artikel zu einem gesteigerten Verständnis der Kunst als Mittel zur politisch-ideologischen Durchsetzung bei.
Kennzeichen einer volkstümlichen realistischen Kunst war die Besinnung auf traditionelle Normen und Gesetzte unter denen die Werke entstanden sind. So knüpfte der Sozialistische Realismus, mit seiner Darstellungsweise der idealisierten Realität, an Künstler wie Menzel an.
Als Kontrollinstanz wurde schließlich im September 1951 die Staatliche Kommission für Kunstangelegenheiten eingerichtet.Otto Grotewohl untermauerte dies mit seinem Verständnis vom Verhältnis von Kunst und Politik, wobei die bildende Kunst der Politik untergeordnet sei, aber gleichzeitig einen starken Einfluss auf diese hat. So müsse „ [d]ie Idee der Kunst […] der Marschrichtung des politischen Kampfes folgen.“ [14] Auch Walter Ulbrichts persönliche Einstellung zur Kunst untermauerte die kulturelle Richtung. Nach seinem Verständnis ist die Kunst der DDR am weitesten zurück und müsse sich von der „ […] Grau-in-Grau Malerei, die ein Ausdruck des kapitalistischen Niederganges ist […]“ [15] distanzieren. Die neue Kunst sah Ulbricht in Verbindung mit Werken von Goethe und Schiller als bedeutendste Vertreter der Klassik und Menzel im Sinne einer realistischen Malerei. So wurde die Wahrung der Klassik ein Grundprinzip der neuen Kulturpolitik der DDR.
[Bearbeiten] Die pädagogische Fachzeitschrift "Kunsterziehung"
Im Herbst 1952 begann der Verlag Volk und Wissen mit dem Aufbau einer Abteilung für Kunsterziehung, wodurch die fachliche Kompetenz von Fachlehrern aber auch Nichlehrern erhöht werden sollte. Als offizieller Anlass für die Gründung einer Zeitschrift für Kunsterzieher war die schulpolitische Tagung im Juni 1953, welche darauf abzielte das wissenschaftliche Niveau durch diverse Hilfen zu heben. Diese fanden in Form von ideologischer und schulpolitischer Grundorientierung, Informationen über künstlerische und wissenschaftliche Fachgebiete, pädagogische und psychologische Grundlagen für den Erziehungs- und Bildungsprozess, sowie Raum für Diskussion über fachspezifische Fragen und Probleme statt.[16] Auf staatlicher Ebene war man bemüht den demokratischen Schein zu wahren, was auch die Gründung von Organisationen und Vereinen unter dem Deckmantel parteiunabhängig arbeiten zu können bedeutete. Dazu gehörte unter anderem das Zulassen von vermeintlich inhaltlich ideologiefreien Zeitschriften, wie jene der "Kunsterziehung", die aber tatsächlich einer strengen staatlichen Kontrolle unterlag. [17]
Zu den redaktionellen Mitarbeitern zählten Wolfram Petri (Redakteur), Eva Ohmann (Redaktionsassistentin) und Günther Wolff (typografische Gestaltung). Im ersten Heft der Zeitschrift erschien ein Artikel des damaligen Staatssekretär im Ministerium für Volksbildung Hans-Joachim Laabs, welcher später Hauptdirektor im Verlag Volk und Wissen war. In seinem Text unterstrich er die Notwendigkeit des Faches Kunsterziehung für die Entwicklung der Jugend und wies gleichzeitig auf die Funktion der Kunst als ideologischer und politischer Vermittler hin. So seien die funktionalen Grundlagen der Zeitschrift laut Laabs, "[...] die politisch- ideologischen sowie fachlichen Einsichten des Lehrers durch Beiträge zur "marxistisch-leninistischen Ästhetik" [und durch die] "Geschichte der realistischen Kunst und des Sozialistischen Realismus"[...]" [18] zu vertiefen. Im Einzelnen stellt er folgende Aufgaben der Zeitschrift in den Vordergrund:
- Klärung der wissenschaftlichen Grundlagen (auf Grundlage der marxistisch-leninistischen Prinzipien)
- Mitarbeit bei der Schaffung einer neuen Methodik für den Kunstunterricht, sowie Kampf gegen feindliche Theorien
- außerschulische Kunsterziehung und Pioniererziehung
- Erfahrungsaustausch und wissenschaftliche Diskussion
- Herausgabe von Kunstdrucken und Aufzeigen wichtiger Fachliteratur [19]
Das Konzept der Zeitschrift blieb über die Jahre hinweg mit umfangreichen Artikeln zum Thema Praxis und Theorie im Kontext von Schule und außerschulischer Kunsterziehung relativ stabil. Zudem waren die letzten Seiten mit Hinweisen auf Ausstellungen, wichtigen Tagungen und Weiterbildungen, sowie Literatur und Unterrichtsmitteln versehen. Mit dem Mauerbau 1961 wurden die Artikel zunehmend politischer und auf die aktuellen Ereignisse angepasst. Dies ging auch mit einer propagandistischen Aufmachung einzelner Artikel und der kritikfreien Darstellung der DDR-Gesellschaft einher. [20]
[Bearbeiten] Kunsterziehung in der DDR
[Bearbeiten] SED-Ideologie und Kunsterziehung
Grundlage in der DDR war, neben der weitgehenden Vergesellschaftung des Eigentums, die verfassungsrechtlich verankerte Führungsrolle der SED, die sich auf alle Lebensbereiche erstreckte. Die Partei besaß das Monopol der Meinungsbildung und beanspruchte zudem das Privileg immer im Recht zu sein.[21] Im Kampf um den Machterhalt wurde der jungen Generation als zukünftiger Träger des sozialistischen Systems große Aufmerksamkeit gewidmet. In der Folge hatten alle Institutionen, von der Vorschule bis zur Universität, die Auflagen die Kinder und Jugendlichen zu „staatsbürgerlichen“ und „klassenmäßigen“ Bürgern zu erziehen. Somit wurde innerhalb der Schulpolitik ein enges Netz aus ideologisch-politischen Erziehungsmaßnahmen geknüpft, welches sich auch über den Unterricht hinaus erstreckte. (Bsp.: FDJ oder JP- Teilnahme)
Dem Fach Kunsterziehung wurde ein hohes Maß bei der ideologischen Erziehung der Jugend zugesprochen. Dadurch enthielten die Lehrpläne der DDR in ihrer Aufgaben- und Zielstellung, deutliche politisch-ideologische Bezüge. Themen zur Bildgestaltung wie Unterrichtstag in der Produktion, Maidemonstration und Grenzsicherung waren wiederkehrende Aufgaben im Rahmen des Kunstunterrichtes. Diese mit Ideologie belasteten Gestaltungsthemen fanden ihren Höhepunkt in den Lehrplänen von 1951 und 1959. Besonders deutlich zeigte sich die Einflussnahme bei der Bildbetrachtung, deren Werke sich auf gezielt ausgewählte Kunstwerke beschränkten. Obwohl die Lehrplaninhalte von 1965 attraktivere Angebote, wie beispielsweise Sport oder Raumfahrt, für die Schüler bereit hielten, so war dennoch immer ein ideologischer Schwerpunkt zu vermerken. Dies stieß bei den Kindern und Jugendlichen auf Ablehnung, Desinteresse und vor allem in den jüngeren Klassen auf Überforderung. Wenn es um den Wirklichkeitsbezug im Fach Kunst geht wird deutlich, dass nur solche Wirklichkeitsausschnitte zum Gegenstand des Unterrichts wurden, die sich mit der politischen Intension vereinbaren ließen und als Beleg für die fortschreitende sozialistische Gesellschaft fungieren konnten. Wertungen mit künstlerisch-ästhetischen Mitteln waren bereits durch die inhaltliche Grundrichtung des Lehrplans verbindlich formuliert worden. So wurde die Fähigkeit der jungen Generation zu einer selbstbewussten Aneignung der Wirklichkeit durch die politischen Machthaber manipuliert und erzeugte im Ergebnis ein verfälschtes Bewusstsein.[22]
Erst unter dem Einfluss von Vertretern kunstpädagogischer Konzepte und Praxis öffnete sich die Kunsterziehung hin zum Schüler und seinen Bezügen zur Wirklichkeit. Dies zeigte sich zum einen in einem größeren Entscheidungsfreiraum der Lehrer bei Projekten und Aufgabenstellungen und zum anderen bei dem Angebot an inhaltlichen Themen. Doch auch wenn hier eine Veränderung hin zu einer experimentelleren und fantasievolleren Arbeitsweise verzeichnet werden kann, so bleibt der politisch ideologische Erziehungsauftrag als Hauptaufgabe erhalten.
[Bearbeiten] Die Entwicklung der Lehrpläne
[Bearbeiten] Lehrplan von 1946
Der Lehrplan von 1946, der in einer erweiterten zweiten Auflage 1947 nochmals erschein, war eng an die fortschrittlichen Pläne für Gymnasien der Weimarer Republik angelehnt. Dabei verfolgt dieser noch rein ästhetisch-künstlerische Absichten ohne ideologisch-politische Vereinnahmung. So legt "[d]ie Freiheit, die der Lehrer in der Wahl der Aufgaben hat,[...]ihm die Verpflichtung auf,...das sie aus der Erlebniswelt des Schülers entnommen und somit zeitgemäß [ist]." [23]
In diesem Lehrplan stand die kindliche Erlebniswelt im Vordergrund und sollte ihnen die Möglichkeit bieten diese malend und zeichnend zu verarbeiten. Dabei ging es weder darum ein realistisches noch naturalistisches Abbild entstehen zu lassen. Die grundlegende Erkenntnis, dass sich die Erfahrungswelt der Kinder von jener der Erwachsenen unterschied, sollte dem Lehrenden auftragen die Bilder der Schüler nicht aus seiner Erwachsenensicht als richtig oder falsch zu bewerten. Vielmehr sollte er die Kinder an Werke heranführen, verschiedene Techniken vermitteln und den Ausdruck fördern, ohne dies in einer für sie spürbaren Form zu tun. [24] So stand der Lehrende in der Verantwortung den Unterreicht individuell auf die einzelnen Gegebenheiten in der Klasse anzupassen. Dies entspricht noch weitgehend den zuvor formulierten humanistischen Bildungszielen und sollte sich auf Grund des Mangels an ausgebildeten Lehrkräften und durch die Zuspitzung des Ost-West Konfliktes und die Gründung der DDR ändern.
[Bearbeiten] Lehrplan von 1951
Die Verhärtung der politischen Absichten von SMAD und SED, schlug sich auch in den Inhalten des Lehrplans von 1951 nieder. Von da an stand die Kunsterziehung im Dienste der Ideologie und des Realismus. Die realistische Bildgestaltung galt als "wirkungsvolle[s] Mittel zur Erziehung des Menschen" da dieser "die objektive Realität in typischen Formen und unter typischen Umständen im Bewußtsein des Menschen wider(spiegel[t])." [25] Bereits im ersten Schuljahr waren von siebzehn Themengebieten bereits sechs mit ideologischem Hintergrund. [26] Die Ziele und Aufgabenstellungen gingen nun nicht mehr von den Bedürfnissen und Können der Kinder aus, sondern von der Kenntnisvermittlung. [27] Die Schüler sollten in vier Tätigkeitsbereichen (Zeichnen, Malen, Schrift/Sichtwerbung und technisches Basteln und Bauen) lernen Unwesentliches von Wesentlichem unterscheiden zu können, besondere Charakteristika zu erfassen und Beziehungen zur Umwelt zu schaffen. Dabei äußerte sich eine richtige Ausführung laut Lehrplan, in Eigenschaften wie Treue zur Partei, Sorgfalt, Fleiß und Genauigkeit. Danach wurden erst Ziele wie die Herausbildung eines Vortsellungs- und Urteilsvermögens, sowie Fantasie und das Einbinden von Gefühlen genannt. [28]
Die Lehrenden fühlten sich zunehmend eingeengt von diesem Lehrplan und vermissten Gestaltungsfreiheit und individuellen Entscheidungsfreiraum. Zudem wurde das Fach auf nur eine Stunde pro Woche gekürzt und die enge Verbindung mit ideologischen Aufgaben zwang zu neuen Überlegungen.
[Bearbeiten] Lehrplan von 1953
Die enorme Betonung der Volkskunst wurde in diesem Lehrplan verankert und fand in der vorrangigen Betrachtung sowjetischer Volkskunst seinen Ausdruck. Dies war vorteilhaft hinsichtlich der ästhetischen Erziehung und für das Kennenlernen territorialer Begebenheiten. Jedoch barg der Lehrplan die Gefahr der Monotonie und "Schablonenkunst" insofern, dass zuerst auf Dinge wie Technik, Sauberkeit und Ordentlichkeit Wert gelegt wurde, als auf die eigenen kreativen Ideen. [29] Dennoch bot der Lehrplan einen sehr abwechslungsreichen Unterricht, welcher auch Freiraum für das Kennlernen der Arbeit von Künstlern wie Steinmetzen oder Schriftstellern bot. Infolge der Formalismusdebatte ging jeder Aufgabe ein intensives Naturstudium voraus, worauf anschließend das künstlerische Mittel selbst gewählt werden durfte. Zum Beispiel wurden die Fische im Aquarium genau studiert, um im Anschluss eigene Fantasiefische zu kreieren, die es möglicherweise irgendwo gab.[30] Damit wurde zum einen das genaue Beobachten geschult und zum anderen die eigene Kreativität und Fantasie der Kinder angeregt.
Da sich allerdings die Wege zum Beruf eines jeden Kunsterziehers unterschieden, waren auch die künstlerischen Kenntnisse und Intensionen der Unterrichtenden verschieden. So steht konträr zu dem Beispiel der Fische, die naturalistische Darstellung mit einfachen fassbaren Gegenständen, beispielsweise in Klasse eins mit dem Zeichnen eines Lineals, in Klasse zwei und drei Themen wie Reifen, Aktentasche oder auch Konservenbüchse, hin zu komplexeren Motiven in der Mittel- und Oberstufe wie Bäume, Zweige und Früchte. [31]
[Bearbeiten] Veränderungen des Faches
[Bearbeiten] 1958 - 1967
Die weitere Entwicklung des Faches war bestimmt durch die Schulkonferenz und den Beschluss des V. Parteitages 1958, die sozialistische Umgestaltung voranzutreiben. Dies bedeutete zum einen den Aufbau einer Zehnklassenschule und zum anderen die Einführung des polytechnischen Unterrichts, in Form einer Verbindung von Wissenschaft und Unterricht. Als Vordenker der polytechnischen Schule wurden dabei Pestalozzi und Karl Marx genannt, welche zugleich die vermeintlich theoretische Grundlage und damit die Legitimation für die Unterordnung der jungen Heranwachsenden unter das sozialistische Regime liefern konnten. [32] Dabei wurde die Qualität des Unterrichtes an der Nähe zur sozialistischen Wirklichkeit gemessen, was eine Hinwendung des Zeichenunterrichts zu „sozialistischen Themen [...] als gesellschaftliche Notwendigkeit im […] Kampf gegen westliche Dekadenz“ bedeutete. [33] So wurden Anlässe für die Bildgestaltung vorwiegend in der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion gesucht. Der Beginn der 1960er Jahre war von widersprüchlichen Entwicklungen geprägt. Auf staatlicher Ebene wurden diese Tendenzen durch eine Veränderung der Politik zur Stärkung des Systems und der Abwendung vom Wiedervereinigungsgedanken bestimmt. Auch das Fach wurde von diesen Veränderungen bestimmt und äußerte sich in inhaltlichen Folgen wie:
- Mensch im sozialistischen Arbeitsprozess als thematischer Schwerpunkt im Zeichenunterricht
- Orientierung auf Gemeinschaftsarbeiten und Förderung der Fotografie im Zeichenunterricht
- gemeinsame Ausstellungen von Berufskünstlern, Laienschaffenden und Schülern
- Förderung künstlerischer Wettbewerbe im Schulbereich [34]
Weitere Auswirkungen auf die Unterrichtsgestaltung sollte die Bitterfelder Kulturkonferenz (April 1959) und die daraus resultierende kulturpolitische Bewegung des Bitterfelder Weges haben. Ziel dieser Veranstaltung stellte die Überwindung der Kluft zwischen Volk und Kunst dar, die trotz vieler Bemühungen der Partei nicht gänzlich unterbunden werden konnte. So sollte die Kunst fest im Dienst der Parteipropaganda stehen und der „[…] künstlerischen Intelligenz endgültig Einhalt geboten werden.“ [35] Da es sich allerdings um eine Bewegung „von oben“ handelte blieb der gewünschte Erfolg und Zuspruch in der Bevölkerung aus. Dennoch gab es einen positiven Nebeneffekt, insofern als dass sich viele Bürger in Zirkeln zusammenschlossen und es zu einem kollektiven Aufschwung kultureller Aktivitäten kam. [36] Für Lehrer konnten diese Zusammenkünfte als eine Art Weiterbildung fungieren, wodurch sie ihre Sicht auf die Funktion des künstlerischen Schaffens und von Ausdrucksmöglichkeiten schrittweise verbessern konnten. [37]
Zusätzlich zu dieser Form der Lehrerweiterbildung, bildeten sich zu Beginn der 50er Jahre diverse Lehr- und Forschungsinstitute (Berlin, Leipzig, Dresden, Greifswald), welche in der Folge Einfluss auf die Fachentwicklung ausüben konnten. Zu den bekanntesten Vertretern gehörten Günter Berger, Günther Regel, Karl Manthey und Annemarie Schmidt-Walter. [38] So förderten diese Institutionen die wissenschaftlichen Grundlagen des Faches. Diese Grundlagen konnten durch die Tagungen von 1964 (Berlin), 1965 (Greifswald), 1966 (Dresden und Leipzig) und 1967 (Erfurt) ergänzt werden, die sich auch durch internationale Beteiligung auszeichneten. [39]
[Bearbeiten] 1967 - 1975
Die Hoffnung auf weitere internationale Zusammenarbeit wurde durch das elfte Plenum des Zentralkomitees enttäuscht. Mit dem Kulturplenum erfolgte der Beschluss zur kulturellen Isolation mit dem Ziel „[…] Kunst und Kultur mehr […] in den Dienst der „klassenmäßigen Ausrichtung zu stellen“[…]“ [40] Dieser Kurs wurde zusätzlich durch die Erfurter Fachtagung 1967 unter der Thematik „Was heißt sozialistische Erziehung in unserem Fach?“ gestärkt. Dort versammelten sich 250 Kunsterzieher und Fachtheoretiker, wobei die Frage nach Ideologie und künstlerischer Erziehung geklärt werden sollte. [41] Obwohl diese Tagung das Fach mehr an ihre ideologischen Aufgaben binden sollte, konnte sie nicht im Sinne der Parteifunktionäre als politisch-ideologischer Höhepunkt gesehen werden. Dennoch wurden neue Stoffverteilungspläne eingeführt die dem späteren Lehrplan von 1971 stark ähnelten. Neu war die Vielfalt an materiellen und graphischen Angeboten und der Einzug kreativer Themen in den Lehrplan. So konnte die einseitige Fixierung auf Themen wie Arbeitswelt überwunden werden. [42] Gänzlich überarbeitet wurden die Aufgaben zur Kunstbetrachtung auf chronologisch- historische Werkabfolgen, wodurch eine kunstgeschichtlich interessante Betrachtung möglich wurde. [43] Weitere positive Neuerungen waren:
- die Bestimmung der speziellen Ziele für jeden Fachbereich
- Ausdehnung des Fachgegenstandes durch Etablierung des Bereichs Umweltgestaltung
- Hinweise auf wichtige Fachliteratur hinsichtlich der Unterrichtsmittel [44]
1971 war durch den altersbedingten Rücktritt Walter Ulbrichts vom Amt des ersten Staatssekretärs, ein Jahr der politischen Wandlungsprozesse. Im Mai 1971 wurde Erich Honecker ins Amt eingeführt und leitete so auf dem VIII. Parteitag eine neue Wirtschaftspolitik ein, die sich letztlich an den wahren ökonomischen Begebenheiten orientieren sollte. [45]
Honecker billigte den Künstlern im Rahmen der politischen Grenzen eine Liberalisierung der Kunst- und Kulturszene zu, wodurch diese ein Pflaster für demokratische Bestrebungen und Gesellschaftskritik werden konnte. [46]
Ab dem Schuljahr 1972/73 wurden neue Lehrpläne eingeführt. Diese boten mehr Raum für künstlerische Prozesse, trotz der nach wie vor starken Belastung an ideologischen Inhalten. So waren für die Bildbetrachtung fast ausschließlich Werke mit ideologisch erzieherischem Effekt vorgesehen und auch bei der Bildgestaltung hatten Themen wie „Im Pionierlager“, „Der 1. Mai“ und „ Arbeit auf dem Traktor“ Vorrang. [47] Dennoch konnten folgende Aspekte als ein erheblicher Fortschritt begriffen werden:
- Entfaltung der bildnerischen Individualität als Hauptziel des Kunstschaffens
- Aufwertung der künstlerischen Tätigkeit und Betonung des persönlichen Charakters
- Aneignung eines soliden Fachwissens als Grundlage für kompetente Entscheidungen des Schülers im Schaffensprozess [48]
[Bearbeiten] 1976 - 1989
Ende der 70er Jahre war eine stärkere Orientierung des Kunstunterrichts an der Praxis zu verzeichnen. Zudem machte sich die Erkenntnis breit, dass neben der Erlebnisförderung auch exaktes, festes und dauerhaftes Wissen vermittelt werden müsse. Da es letztlich zu einer Steigerung des Gestaltungsprozesses führen könnte. [49] So ist das Ringen um künstlerische Qualität und formale Vielfalt der Werke ein wichtiges Merkmal für die Kunsterziehung der ausgehenden 70er Jahre. [50]
Auf dem X. Parteitag erging erneut an alle Fächer der Aufruf zur Vertiefung ihrer Beziehungen zu den sogenannten Grundwerten des Sozialismus, wodurch die Verfestigung sozialistischer Überzeugungen bei der Jugend erreicht werden sollte. Dabei wurde die Verantwortung der Bildung und Erziehung bei der Aneignung von Werten betont, die einerseits individuell gestaltet und andererseits ideologisch angepasst sein sollten. [51] Da sich die Kunsterziehung verstand sinnlich und gestalterisch Werte zu vermitteln, sprach man ihr eine wichtige Funktion zu.
Auf dem VIII. pädagogischen Kongress strebte man nach einer stärkeren inneren Differenzierung des Unterrichts, wodurch das vermeintliche Bildungsgefälle vermindert werden sollte, indem die Schüler nach ihren Möglichkeiten gefördert werden sollten. [52] Während sich in anderen Fächern die praktische Umsetzung als schwierig erwies, hatte die Kunst bereits Erfahrung hinsichtlich differenzierten Lernens und individueller Förderung der Kinder. Zudem änderte sich die politische Vorstellung von Erziehung und somit kamen auch Diskussionen um einen neuen Lehrplan auf, nicht zuletzt da man die methodischen und inhaltlichen Grenzen des Plans von 1971 erkannte.
Als Hauptziele des neuen Kunstunterrichts wurden:
- die Vertiefung des Umgangs mit Kunst in ihrer ganzen Vielfalt
- die Bestimmung eines tragfähigen kunstgeschichtlichen und theoretischem Wissenssystems
- die engere Verbindung von produktiver und rezeptiver Tätigkeit
- die höhere Flexibilität und Eigenverantwortung des Kunsterziehers
genannt. [53]
Dabei war vorgesehen die drei Hauptbereiche des Faches, Bildgestaltung, Kunstbetrachtung und Umweltgestaltung neu zu strukturieren.
Bei der Bildgestaltung sollte es um eine intensivere Auseinandersetzung mit der Formfindung gehen um damit eine tiefere Einsicht in den künstlerischen Schaffensprozess gewährleisten zu können. Im Bereich der Kunstbetrachtung wurde ein geschichtlicher Abriss in den Klassen sieben bis neun vorgeschlagen um damit eine Einsicht in künstlerische Entwicklungslinien geben zu können. Hinsichtlich der Umweltgestaltung sollten zeitaufwendige Entwurfsarbeiten zugunsten tieferer Einblicke in historische und aktuelle Aspekte des Bereiches weichen. [54]
Dennoch sollte der neue Lehrplan nach wie vor den politischen Zielen gerecht werden und somit "die spezifischen Potenzen des Faches für die kommunistische Erziehung der Schuljugend zur Wirkung bringen". [55] Weiterhin sollte die "persönlichskeitformende[...] Wirkung[...]" von Werken und künstlerischen Schaffens beibehalten und eine Sicht auf die Kunst im Sinne der Arbeiterklasse gewahrt werden. [56] Trotz diesen Aspekten weist der Lehrplan auf die gesteigerte fachliche Kompetenz der Kunsterzieher hin und räumt diesen und den Schülern größere Entscheidungsräume ein. Dabei gewinnt der spielerische und freudige Umgang mit der Kunst eine neue intensivere Gewichtung.
[Bearbeiten] Kunstbetrachtung
Innerhalb des Bereiches der Kunstbetrachtung wurden dem Lehrenden durch den engen inhaltlichen Lehrplan fast alle Entscheidungen abgenommen. Dabei waren Ziele und Stoffauswahl, sowie die zeitlichen Vorgaben und methodische Herangehensweisen detailliert festgelegt. Zusätzlich nahm die Bestimmung der Unterrichtsmittel alle Individualität von Seiten des Kunsterziehers vorweg.Im Gegensatz zur Bildgestaltung, die stetigen Veränderungen unterlegen war und damit auch neue kreative Impulse verzeichnen konnte, gab es hinsichtlich der Kunstbetrachtung keine größeren Neuerungen. So behauptete die Anzahl von Werken, inhaltliche Schwerpunkte und Themen ihren Platz fast durchgängig im Lehrplan. [57] Dabei zählten Werke wie Albrecht Dürers "Feldhase", Adolf Menzels "Eisenwalzwerk" und Harald Hakenbecks "Peter im Tierpark" zu den ausgewählten Werken für die Kunstbetrachtung. Der eingeschränkte inhaltliche Fokus zeigt sich bei Themen wie "Kunst als Waffe im Klassenkampf", "Der arbeitende Mensch in der bildenden Kunst" und "Das sozialistische Menschenbild in der Kunst". [58]
In den frühen Lehrplänen finden sich neben zeitgenössischen Bildern auch Werke der Spätromantik und des Biedermeier, was den Bestrebungen der SED-Funktionäre nach einer Kunst die zwei wesentliche Aufgaben zu erfüllen habe, entsprach. Zum einen sollte diese den Rezipienten "[...]durch Propagandawerke heroisch beflügeln [...]" [59] und zum anderen mittels der spätromantischen Gemälde ein idyllisches und idealisiertes Weltbild erschaffen. Andere vermeintliche Wegbereiter der neuen Kunst waren:
- deutsche Renaissance - Dürer, Holbein, Cranach
- deutscher, russischer und französischer kritischer Realismus des 19. und 20. Jahrhunderts - Menzel, Liebermann, Courbet
- proletarisch-revolutionäre Kunst- Kollwitz, Nagel
- sowjetischer Sozialistischer Realismus- Serow, Nesterow, Neprinzew [60]
Daneben wurden auch vereinzelt Werke aus der niederländischen Kunst betrachtet, wie beispielsweise Bruegel, Ostade und Steen.
Somit handelte es sich immer um Werke die der naturnahen und realistischen Kunstauffassung der Machthaber entsprachen, von denen sie annahmen, dass diese den Geschmack der breiten Bevölkerung trafen.
Die inhaltlichen Ambitionen an das Kunstbetrachten blieben meist auf eine "sozialistische Kunst als Fortführung progressiver Traditionen" und auf eine "Kunst als Waffe im Klassenkampf" beschränkt. [61] Erst mit der Einführung des Stoffverteilungsplanes 1965 und dem Lehrplan von 1972 ging es auch um eine Betrachtung unter dem Fokus der Gestaltungs- und Formfragen. Dennoch waren diese überlagert von den politisch- ideologischen Erziehungszielen, welche die Kunstbetrachtung lediglich als Instrument zur Beeinflussung begriff.
Auch die einseitige Fixierung auf Werke des Sozialistischen Realismus, proletarisch-revolutionären Kunst und des Realismus des 17. und 18. Jahrhunderts blieb trotz einzelner Fortschritte Ende der 80er Jahre bestehen. [62] So blieb ein umfassender Überblick über die künstlerische Epochenvielfalt ausgeschlossen. Neben dem Ausschluss von Kunstrichtungen wie dem Rokoko, Klassizismus, Expressionismus und Impressionismus, waren sogar Werke des Sozialistischen Realismus nicht vor dem Ausschluss gewahrt. Bilder die dem Parteifunktionären nicht "realistisch" genug waren oder aber kritische Inhalten verzeichneten, wurden zensiert und ausgeschlossen, sodass die Kunstbetrachtung immer im Schatten des Transfers der SED-Ideologie stand.
[Bearbeiten] Umweltgestaltung
Der Bereich Umweltgestaltung wurde mit dem neuen Stoffverteilungsplan Ende der 60er Jahre eingeführt. Die Aufnahme von Form- und Produktgestaltung sowie Architektur wurde durch die Einführung der polytechnischen Schule begünstigt. So wurde eine engere Verbindung von technischen und künstlerischen Aspekten angestrebt um sich dadurch zunehmend auf die "hochspezialisierte(n) künstlerische(n) Tätigkeit" [63] zu konzentrieren.
Zudem begünstigten die Einführung eines Bereiches der Umweltgestaltung die ökonomischen Überlebensfragen der DDR-Politik. Um den schweren Wettbewerbskampf des Weltmarktes stand halten zu können, ging es auch erstmals um die ästhetische Gestaltung der Waren. Auch wenn der Alltag der DDR-Bürger meist von einfallslosem Design und billiger Ausstattung, aufgrund fehlender Konkurrenz, geprägt war, so versuchte man zumindest bei den Exportgütern westliche Standards aufzugreifen. [64] Damit kam der Vorschlag eines solchen Teilgebietes im Kunstunterricht sehr gelegen auch wenn sich in der Praxis durch finanzielle Nöte das einseitige Produktdesign hielt. Gänzlich neu war der Gedanke von der Umweltgestaltung nicht, denn bereits zuvor gab es Bereiche dieser Art, welche allerdings unter der Bezeichnung "Dekoratives Arbeiten" fielen und eher beiläufig stattfanden. Das Innovative im neuen Stoffverteilungsplan bestand in einem Arbeitsbereich mit spezifischen Inhalten. So wurden beispielsweise in
- Klasse 6 Gebrauchsgestaltung
- Klasse 7 Bekleidungsgestaltung
- Klasse 8 Gestaltung von Wohn-und Arbeitsräumen
- Klasse 9 Architektur und Städtebau
behandelt. [65]
Ein zentrales Problem bei der Umsetzung war die Herausforderung die für die Lehrer entstand. Während bei einer Kaffeekanne die technologischen und materiellen Entscheidungen hinsichtlich der Aspekte der Haltbarkeit, Standhaftigkeit und Sicherheit noch einleuchtend erschienen, wurde es bei Themen des Städtebaus schwieriger. Trotz der Versuche mit Hilfe von Anschauungs- und Informationsmaterial theoretische Unterstützung zu bieten, entstanden Probleme bei der praktischen Umsetzung. Zudem lieferte das dargebotene Material lediglich ein idealisiertes Bild von der sozialistischen Wirklichkeit, was konträr zur Qualität und Quantität der Gebrauchsgüter stand. [66] Weiterhin stand auch dieser Bereich im Dienste der Ideologie und so standen Konzepte der Architektur, Gebrauchsgüter und Bekleidung immer im Vergleich mit der "imeralistische(n) Unterkultur". [67] So sollte den Schülern die sozialistische Überlegenheit vermittelt werden wobei missachtet wurde, dass gerade in der DDR eine Massenbaukultur die Architektur bestimmte. Dadurch war dieser Bereich des Lehrplans von Beginn an zwischen einer suggerierten Scheinwirklichkeit und der erlebten Realität gefangen. [68]
[Bearbeiten] Galerie der Freundschaft
Auf der neunten Tagung des ZK der SED fiel der Beschluss die Kinder und Jugendlichen zunehmend in Arbeitsgemeinschaften einzubinden als Mittel und Maßnahme, um "die Bereitschaft der Schüler zur Aneignung der sozialistischen Kultur und Kunst ... (zu) entwickeln". [69] Von außerschulischen Aktivitäten versprachen sich die Parteifunktionäre eine stärkere politisch-ideologische Einflussnahme, sowie die Anhebung des kulturellen Niveaus der Kinder und Jugendlichen. [70] Dabei wurde vor allem der erzieherische Aspekt der außerschulischen Initiativen betont, sodass diese die Verbindung von Kultur und Politik fassbar machten konnte und als Mittel zur "Kollektiverziehung" dienen sollte. [71]
Dadurch entstand die landesweite kulturell- künstlerische Bewegung der Galerie der Freundschaft. Sie wurde anlässlich des 20. Jahrestages der SED gegründet und war mit 400 000 Teilnehmern der größte Kunstwettbewerb. Um eine politisch- ideologische Zielstellung zu gewährleisten, wurden die Mottos des Ausscheids, von Mitgliedern der FDJ bestimmt, die auch als Träger der Veranstaltung dienten. Die besten Exponate wurden bei den jährlichen Arbeiterfestspielen in Potsdam und Berlin ausgestellt. Die überwiegenden Arbeiten sind im schulischen Rahmen entstanden oder in den Zeichenzirkeln des Kunsterziehers, wodurch die Vorbereitung und Umsetzung meist in ihren Händen lag. Viele Kunstlehrer fühlten sich aufgrund dessen unter Erfolgsdruck gegenüber den Parteifunktionären und Schuldirektoren, wodurch so mancher seine eigentlichen Unterrichtsaufgaben vernachlässigte, um einen möglichen Preisträger zu fördern.
[Bearbeiten] Literatur
- Cloer,Ernst/Wernstedt, Rolf [Hrsg.]: Pädagogik in der DDR-Eröffnung einer notwendigen Bilanzierung. Deutscher Studienverlag, Weinheim 1994, ISBN 3-89271-479-7
- Dettke, Birgit: Zur Entwicklung des Kunstunterrichts in Thüringen von 1945-59. VDG Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 1999, ISBN 3-932124-97-9
- Geißler,Gert/Wiegemann,Ulrich:Schule und Erziehung in der DDR-Studien und Dokumente. Hermann Luchterhand Verlag GmbH Neuwied, Berlin 1995, ISBN 3-472-02258-2
- Herrlitz, Hans Georg/ Hopf,Wulf:Deutsche Schulgeschichte von 1800 bis zur Gegenwart-Eine Einführung. Juventa Verlag, Weinheim und München 1993, ISBN 3-7799-1013-6
- Peez,Georg: Einführung in die Kunstpädagogik. 3.Auflage, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-17-020422-5
- Rother, Ulrike: Kunsterziehung in der DDR-Inhalte und Entwicklungstendenzen, nachgewiesen an Beiträgen der Fachzeitschrift "Kunsterziehung. VDG Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 2000, ISBN 3-89739-153-8
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ Cloer,Ernst/Wernstedt, Rolf: Pädagogik in der DDR-Eröffnung einer notwendigen Bilanzierung. Deutscher Studienverlag, Weinheim 1994, ISBN 3-89271-479-7 ,S.30
- ↑ Dettke,Birgit: Zur Entwicklung des Kunstunterrichts in Thüringen von 1945-59.Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 1999, ISBN 3-932124-97-9,S.32
- ↑ Dettke,Birgit: Zur Entwicklung des Kunstunterrichts in Thüringen von 1945-59.Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 1999, ISBN 3-932124-97-9,S.178
- ↑ ebenda,34
- ↑ Herrlitz,Hans-Georg/Hopf, Wulf: Deutsche Schulgeschichte von 1800 bis zur Gegenwart-Eine Einführung.Juventa Verlag,Weinheim und München 1993, ISBN 3-7799-1013-6 ,S.36
- ↑ ebenda, 36
- ↑ Dettke,Birgit: Zur Entwicklung des Kunstunterrichts in Thüringen von 1945-59.VDG Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 1999,ISBN 3-7799-1013-6 S.35
- ↑ Dettke, Birgit: Zur Entwicklung des Kunstunterrichts in Thüringen von 1945-59. VDG Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 1999, ISBN 3-932124-97-9, S.101
- ↑ ebenda
- ↑ ebenda, 102-103
- ↑ 103
- ↑ ebenda 104
- ↑ ebd.
- ↑ 106
- ↑ ebenda
- ↑ Rother,Ulrike: Kunsterziehung in der DDR-Inhalte und Entwicklungstendenzen, nachgewiesen an Beiträgen der Fachzeitschrift "Kunsterziehung".VDG Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 2000, S.41
- ↑ ebenda
- ↑ ebenda, 43
- ↑ ebd. 43
- ↑ ebenda 44
- ↑ Rother,Ulrike: Kunsterziehung in der DDR-Inhalte und Entwicklungsdendenzen, nachgewiesen an Beiträgen der Fachzeitschrift "Kunsterziehung".VDG Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften,Weimar 2000,S.182
- ↑ ebd.:202
- ↑ Rother,Ulrike: Kunsterziehung in der DDR-Inhalte und Entwicklungsdendenzen, nachgewiesen an Beiträgen der Fachzeitschrift "Kunsterziehung".VDG Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften,Weimar 2000,S.203
- ↑ Dettke,Birgit: Zur Entwiklung des Kunstunterrichts in Thüringen von 1945-59.VDG Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 1999, S.142-143
- ↑ ebenda,204
- ↑ Dettke,Birgit: Zur Entwicklung des Kunstunterrichts in Thüringen von 1945-59.VDG Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 1999, 145
- ↑ Dettke,Birgit: Zur Entwicklung des Kunstunterrichts in Thüringen von 1945-59.VDG Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 1999, 144
- ↑ ebenda
- ↑ Dettke, Birgit: Zur Entwicklung des Kunstunterrichts in Thüringen von 1945-59. VDG Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 1999, S.101
- ↑ ebenda 114
- ↑ ebenda 205
- ↑ Rother, Ulrike: Kunsterziehung in der DDR-Inhalte und Entwicklungstendenzen, nachgewiesen an Beiträgen der Fachzeitschrift "Kunsterziehung". VDG Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 2000, S.56
- ↑ ebenda 57
- ↑ ebd. 61
- ↑ ebenda 63
- ↑ ebd.64
- ↑ ebd. 247
- ↑ ebd. 66
- ↑ 71
- ↑ Rother, Ulrike: Kunsterziehung in der DDR-Inhalte und Entwicklungstendenzen, nachgewiesen an Beiträgen der Fachzeitschrift "Kunsterziehung". VDG Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 2000, S.79
- ↑ ebenda 83
- ↑ 85
- ↑ 85-86
- ↑ ebenda 86
- ↑ ebd. 93
- ↑ ebd. 94
- ↑ ebd. 98
- ↑ ebenda 100
- ↑ Rother,Ulrike: Kunsterziehung in der DDR-Inhalte und Entwicklungsdendenzen, nachgewiesen an Beiträgen der Fachzeitschrift "Kunsterziehung".VDG Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften,Weimar 2000,S.107/108
- ↑ ebd. 111
- ↑ ebenda 115
- ↑ 131
- ↑ ebenda 134
- ↑ ebenda 134-135
- ↑ ebd.140
- ↑ ebd. 140.141
- ↑ Rother,Ulrike: Kunsterziehung in der DDR-Inhalte und Entwicklungsdendenzen, nachgewiesen an Beiträgen der Fachzeitschrift "Kunsterziehung".VDG Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften,Weimar 2000,S.226-227
- ↑ ebenda 227
- ↑ ebd.227
- ↑ ebenda 228
- ↑ ebenda 228
- ↑ ebd. 228
- ↑ Rother,Ulrike: Kunsterziehung in der DDR-Inhalte und Entwicklungsdendenzen, nachgewiesen an Beiträgen der Fachzeitschrift "Kunsterziehung".VDG Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften,Weimar 2000,S. 237
- ↑ ebenda 238
- ↑ ebenda 238
- ↑ ebenda 239
- ↑ ebd. 239-40
- ↑ ebd. 240
- ↑ Rother,Ulrike: Kunsterziehung in der DDR-Inhalte und Entwicklungsdendenzen, nachgewiesen an Beiträgen der Fachzeitschrift "Kunsterziehung".VDG Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften,Weimar 2000,S. 87
- ↑ ebd.
- ↑ ebenda 88

