Künstlerisches Projekt
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Das künstlerische Projekt kann als grundlegende Praxisform der künstlerischen Bildung angesehen werden. Es ist ein experimenteller, kreativer Vorgang, der als künstlerische Bildungsform sowohl innerhalb als auch außerhalb von Schule und Hochschule praktikabel ist.
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[Bearbeiten] Geschichte
Das Projekt [lat. proiectum „das nach vorn Geworfene“] ist eine geplante oder bereits begonnene Unternehmung oder großangelegtes Vorhaben.[1] Der Begriff des Projektes ist vielseitig. In der gegenwärtigen Didaktik wird das Projekt als „das selbstständige Bearbeiten einer Aufgabe oder eines Problems durch eine Gruppe, von der Planung über die Durchführung bis zu Präsentation des Ergebnisses“ definiert.[2]
Wurzeln der Projektmethode im Unterricht sind historisch in der Reformpädagogik verankert. Der US-amerikanische Philosoph und Pädagoge John Dewey (1859-1952) war einer der wichtigsten Begründer der Projektmethode. Nach seinen Konzeptionen sollten Schüler und Schülerinnen durch spezifische Forderungen im eigenständigen Tun lernen. Auf diese Weise sollen sie Wissen, Denken, Handeln und Leben miteinander verknüpfen. [3] In der gegenwärtigen didaktischen Diskussion, hat das Projektverfahren große Bedeutung erhalten, weil es Selbstverwirklichung durch Aktivitäten der Teilnehmer ermöglicht und durch Praxisbezug für die Gegenwart aktuell und als ein interdisziplinäres Verfahren praktikabel ist. Gunter Otto formulierte sechs Merkmale projektorientierten Unterrichts:
- Mitplanung der Lernenden
- Fächerübergreifendes Arbeiten
- Bezüge zu Lebenssituationen der Lernenden
- Produktorientierung innerhalb des Prozesses
- sozio-kulturelle Zusammenhänge mit aktuell-gesellschaftlichen Bezügen
- und Kooperation aller Beteiligten.[4]
[Bearbeiten] Elemente künstlerischer Projekte
Das Konzept der künstlerischen Bildung lässt sich in verschiedene Elemente untergliedern. Die Strukturelemente, die im Wesentlichen das künstlerische Projekt staffeln. Die operativen Elemente, die sich in drei methodische Arbeitsformen unterscheiden lassen. Und die Elemente des künstlerischen Denkens, die häufig als Ziele definiert werden.
[Bearbeiten] Strukturelemente
Die Strukturelemente eines künstlerischen Projekts lassen sich in drei wesentliche Teilbereiche einteilen - Induktion, Experiment und Kontextualität.
Induktion beschreibt hierbei einen weitgehend offenen Einstieg in ein Thema. Das Ziel ist jedem Lernenden einen möglichst individuellen Weg der Auseinandersetzung zu ermöglichen. Dieser Einstieg kann auf vielfältige Weise geschehen, z.B. durch Recherchen, ersten spontanen Skizzen oder auch durch auszudeutende Zufallsformen. Ein weiterer induktiver Einstieg in das künstlerische Projekt könnte mit der Analyse eines Kunstwerkes beginnen. Dies eröffnet weitere Themenfelder, die zur weiteren Bearbeitung einführen können. Weitere selbstständige Recherchen zu einem selbst gewählten Teilthema intensivieren diese erste Entwicklungsstufe. [5]
Das Experiment meint die darauffolgende, möglichst individuelle Auseinandersetzung mit dem Thema. Es bedarf der kritischen Reflexion und gegebenenfalls der gezielten Recherche von Sachverhalten oder der Übung technischer Fertigkeiten.
Die Rolle des Lehrers wandelt sich vom Vermittler zum Initiator und Begleiter von zunehmend selbstorganisierten Prozessen. Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, dass KunstlehrerInnen selbst KünstlerInnen sind. Denn ohne die Grundlage eigener persönlicher Erfahrungen können künstlerische Unterrichts- und Lernprozesse nicht angemessen initiiert und begleitet werden.[6]
Das Chaos, welches im Projekt entstehen kann, in dem Lernende sich verunsichert, ratlos und frustriert fühlen, kann sehr fruchtbar sein. Es werden wichtige Persönlichkeitsaspekte, wie Willensanstrengung, Verantwortungsbereitschaft und die Fähigkeit sinnvolle Kritik aufzunehmen, gefordert. Weiterhin provoziert es zur Anstrengung, vertieften Recherchen und Experimentieren mit selbst gewählten Gestaltungsarbeiten.[7]
Neben Induktion und dem Experiment ist Kontextualität ein weiteres Charakteristikum. Kontextualität meint zweierlei:
- Die Einbeziehung bedeutsamer Kontexte in die Bearbeitung eines Themas (z.B. die Auseinandersetzung mit Kunst und Medien oder Bildanalysen).
- Die einzelnen Phasen der gestalterischen und inhaltlichen Arbeit im künstlerischen Projekt sollten miteinander in einem vertiefenden und differenzierten Zusammenhang stehen.
Darüber hinaus ist das künstlerische Projekt sowohl multimedial als auch multiperspektivisch. Multimedialität wird aufgrund der Vielzahl an möglichen analogen und digitalen Materialien und Medien erzielt.[8] Die ständige Veränderung sowohl der Medien als auch deren Betrachtungsweisen, innerhalb der jeweiligen Entwicklungsstufen, eröffnen vielfältige Perspektiven. Weiterhin weist das künstlerische Projekt einen interdisziplinären Charakter auf. Es erweist sich als fächerübergreifende Methodik der künstlerischen Bildung, welche sich nicht nur auf ein Fach beschränkt, sondern als allgemeingültiges Lernprinzip anzusehen ist.[9]
[Bearbeiten] Operative Elemente
Es lassen sich drei operative Elemente bzw. methodische Arbeitsformen unterscheiden. Die eigenständige Recherche, die Konstruktion intellektueller Zusammenhänge sowie die künstlerische Transformation. Diese Arbeitsformen stehen in einem ständigen Wechsel zueinander und können je Lerngruppe in Zusammenarbeit oder im individuellen Werkprozess praktiziert werden.[10]
Die Recherche bezeichnet die gezielte Informationssuche anhand von Quellen aus dem Internet, Bildern oder Texte. Ebenso können handwerkliche Erprobungen, Wahrnehmungs- und Beobachtungsaufgaben ein Teil der Recherche sein.
Die Konstruktion bildet schlüssige Zusammenhänge aus den unterschiedlichen Erfahrungen und Erkenntnissen der Recherche.
Der Kernbereich des Lernprozesses in künstlerischen Projekten, ist die Arbeit am Werk, die Transformation. Der entscheidende Aspekt ist die Gestaltung. Sie zwingt dazu, Position zu beziehen und diese im Werk auszuformulieren. Dabei verlangt die künstlerische Transformation differenzierte Wahrnehmungsleistungen und kontextuellen Denken.[11] Die Transformation bedeutet in diesem Fall, etwas Neues, Eigenes, eine Wirklichkeit eigener Art zu schaffen, die auf eigenen Erfahrungen und Erkenntnissen beruht. Ermöglicht wird dieser ungezwungene, zunehmend selbstbestimmte Werkprozess durch das künstlerische Projekt.[12] Dabei geht es weder um eine objektive Dokumentation der Dinge, noch um einen rein subjektiven Ausdruck. Es entsteht eine Art Spannungsverhältnis zwischen Subjektivität und Objektivität. Dieses Verhältnis von Gegensätzen zueinander macht das künstlerische Denken lebendig. Im künstlerischen Projekt handelt es sich um die Verwandlung bzw. die Herstellung einer symbolischen, ausdrucktragenden Form. Die Transformation, die im Prozess eine treibende Kraft ist, verlangt nach Wahrnehmungen, Erfahrungen und Erkenntnissen. Sie wirkt als Imaginationen provozierender Impuls und verursacht sowohl die Frage nach der angemessenen Darstellung, als auch der Wahl der geeigneten Medien. Mithin beauftragt die fortschreitende Gestaltungsarbeit zu neuen themenbezogene Recherchen und Konstruktionen.[13]
[Bearbeiten] Ziele des Künstlerischen Projekts
Das Ziel der zeitgenössischen Kunstpädagogik ist nicht mehr Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten. Es geht auch nicht um die Vermittlung von systematischen Kenntnissen über die Kunst der Gegenwart und Vergangenheit. Heutzutage treten unter anderem die Schulung des künstlerischen Denkens und die Verbindung von Kunst und Leben in Erscheinung.
Die Schüler und Schülerinnen lernen eine aufgefächerte Sicht auf eine Thematik, sowie unterschiedliche Möglichkeiten und Beziehungen der verwendeten Materialien und Medien kennen. Künstlerische Bildung zielt auf die Übung des künstlerischen Denkens. Dieses gliedert sich in drei Teilbereiche:
- eine sensible Wahrnehmung,
- eine kritische Reflexion
- und die eigenständige Imagination.
Die Ausbildung dieser geistigen Fähigkeiten können als wichtiger Baustein für die Bildung eines selbstbestimmten und selbstorganisierten Individuums angesehen werden.[14]
[Bearbeiten] Literatur
- Carl-Peter Buschkühle: Die Welt als Spiel / 1. Kulturtheorie: digitale Spiele und künstlerische Existenz. Athena, Oberhausen 2007, 2. Aufl. 2011 ISBN 978-3-89896-282-7
- Carl-Peter Buschkühle: Die Welt als Spiel / 2. Kunstpädagogik: Theorie und Praxis künstlerischer Bildung. Athena, Oberhausen 2007, 2. Aufl. 2011 ISBN 978-3-89896-283-4
- Carl-Peter Buschkühle: Kunstpädagogen müssen Künstler sein. Zum Konzept künstlerischer Bildung. In: Karl-Josef Pazzini, Eva Sturm, Wolfgang Legler, Torsten Meyer (Hrsg.): Kunstpädagogische Positionen. 5/2004. Hamburg University Press 2004.
- Carl-Peter Buschkühle: Künstlerische Bildung. In: Fachverband für Kunstpädagogik BDK INFO Hessen 1/08 S. 18.
- George Peez: Einführung in die Kunstpädagogik. 3. Auflage. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-17-020422-5.
- Heike Papenfuss: Lernen geht auch anders. Patmos Verlag, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-491-40147-1.
- Ingo Wirth (Hrsg.): Kunst-Methodik. Handbuch für die Sekundarstufe I und II. Cornelson Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-589-22980-2.
- Johannnes Kirschenmann (Hrsg.): Kunstpädagogisches Generationengespräch - Zukunft braucht Herkunft. Kopaed Verlag, München 2004, ISBN 3-935686-90-0
- Marie-Luise Lange: Grenz Überschreitungen. Wege zur Performance. Ulrike Helmer Verlag, Königstein/Taunus 2002, ISBN 3-89741-085-0.
[Bearbeiten] Weblinks
- Allgemein
- Texte
- Projekte
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ Brockhaus Enzyklopädie: Band 22.pot-rens. F.A. Brockhaus, Leipzig, Mannheim. ISBN-10 Band 22:3-7653-4122-3
- ↑ Unterrichtsmethoden im konstruktiven und systemischen Methodenpool
- ↑ Georg Peez: Einführung in der Kunstpädagogik. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2008, S. 148-149
- ↑ Georg Peez: Einführung in der Kunstpädagogik. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2008, S. 148-149
- ↑ Carl-Peter Buschkühle: Bildung im künstlerischen Projekt. In: Schroedel Kunstportal November 2007.
- ↑ Carl-Peter Buschkühle: Kunstpädagogen müssen Künstler sein. Zum Konzept künstlerischer Bildung In: Kunstpädagogische Positionen 5/2004
- ↑ Carl-Peter Buschkühle: Künstlerische Bildung. In: Fachverband für Kunstpädagogik BDK INFO Hessen 1/08 S. 19
- ↑ Carl-Peter Buschkühle: Künstlerische Bildung. In: Fachverband für Kunstpädagogik BDK INFO Hessen 1/08 S. 18
- ↑ Carl-Peter Buschkühle: Künstlerische Bildung im künstlerischen Projekt. In: Fachverband für Kunstpädagogik BDK INFO Hessen 1/08 S. 19
- ↑ Carl-Peter Buschkühle: Konturen künstlerischer Bildung
- ↑ Carl-Peter Buschkühle: Konturen künstlerischer Bildung
- ↑ Carl-Peter Buschkühle: Kunstpädagogen müssen Künstler sein. Zum Konzept künstlerischer Bildung In: Kunstpädagogische Positionen 5/2004
- ↑ Carl-Peter Buschkühle: Kunstpädagogen müssen Künstler sein. Zum Konzept künstlerischer Bildung In: Kunstpädagogische Positionen 5/2004
- ↑ Carl-Peter Buschkühle: Bildung im künstlerischen Projekt. In: Schroedel Kunstportal November 2007.

